Catmens Welt

Versuche alle Schubladen zu bedienen, leider hat der Schrank ueber 500000 Faecher & ich nur 2 arme, arme Katzen. Welcome to my tumblr World.

Wir schreiben von der Tafel ab.

Wir schreiben heute von der Tafel ab, das macht uns sehr viel Spaß.
Vor allem der Jo-Chen (einigen auch bekannt als der Aushilfschinese) hat sehr viel Freude daran, den Tafelinhalt mit einem Stift in seinen Hefter zu übertragen.

Dauernd kommen nervige Zwischenrufe von Franzey, teilweise mit üntilligenten Wortverbindungen, sie nennt es Sprache. Stammeln trifft es aber auch ganz gut, wäre auch total langweilig, wenn alle ordentlich Deutsch sprechen könnten (RTL und so, Stichwort belustigende Fernsehunterhaltung).
Jo-Chen entdeckt aufgrund seiner überragenden Schlauheit einen Fehler am Informationsportal der Wissensvermittlerin. Die Lehrerin wird ausgelacht, sie lacht auch. Doch das allgemeine Gelächter will nicht enden, noch mehr Unruhe ist die Folge.
“Oli wer?” sitzt stillschweigend da, es sieht so aus, als posiere er gerade für eine Aktzeichnung, nur das er sein Beinkleid noch trägt. Die Hand stützt das Kinn, der Kopf scheint von all dem Wissen zu schwer, um sich selbst zu halten. Er ist aufmerksam und macht brav, was ihm gesagt wird. So ist das eben, er kennt es nicht anders: als Kind der Deutschen Demokratischen Republik war Individualität verhöhnt. Ich kann mir richtig vorstellen, wie er in FDJ-Kleidung fröhlich am Morgenappell teilnimmt. Der kleine, lachende “Oli wer?”, so süß und unmündig.
Für ihn ist - knapp 22 Jahre nach der Wende - Internet immer noch ein Fremdwort.

Ganz anders dagegen Eyfey, an ihr ging der Mauerfall ohne “größere” Spuren (obwohl man sich darüber streiten könnte) vorbei. Kein Wunder, sie zelebrierte auch erst 21 mal das Verlassen der Gebärmutter, trotzdem schreibt sie brav von der Tafel ab.
Es gibt aber einen kleinen, feinen Unterschied: sie rebelliert im Geheimen mit ihrem Billig-Smartphone und übt sich dabei im “Social Networking”, doch Twitter kennt sie nur von Erzählungen glücklicherer Tage.
Sie ist mit Myspace, StudiVZ und Facebook groß geworden. Sympathisch ist sie mir trotzdem, es kann ja nicht jeder twittern, wäre auch voll langweilig.

Die Fünfte im Bunde ist Marialou, ebenfalls Generation Facebook ohne Sinn und Verstand. Sie geht gerne Feiern und prahlt mit einem ausgewogenen Reallife, nur tanzen will sie nicht mit mir. Sie scheint resistent gegen meine täglichen Tanz-Offerten und straft mich öfter als mir gut tut mit Ignoranz. Ich drohe ihr mit Netzsperren und totaler Zensur, fragende Gesichter wenden sich mir zu. “Politik”, noch so ein Fremdwort für viele in unserem Klassenverband, leider. Aber es wäre ja auch langweilig, wenn sich alle mit Politik beschäftigen würden.

Ich weine bitter. Ob es nun an der Politikverdrossenheit von einer angehenden Erziehern liegt, oder aber an ihrem Unwillen mit mir eine starre, von jeglichem Erotismus befreite, Tanzeinlage  hinzulegen, ich weiß es nicht.
Meine Gefühle interessieren sie anscheinend einen vertrockneten Scheißdreck. Naja, man kann nicht alles haben, wäre doch auch langweilig. Ich nehme es hin, denn in ihren netten Momenten teilt sie Club-Mate mit mir, dann ist die ganze Schmach schon fast vergessen.

Die anderen sind jetzt schon fast fertig mit Abschreiben. Die Lehrerin schaut schon ganz skeptisch, wahrscheinlich hat sie gemerkt, dass ich einen halben Roman verfasse (in Relation zu 140 Zeichen finde ich den Vergleich ganz passend). Ich werde immer unruhiger.
Sich auf den Text zu konzentreiren konzentrieren fällt mir schwerer und schwerer. Ich höre lieber schnell auf und fange mit der eigentlichen Aufgabe an: Wir schreiben von der Tafel ab, das macht uns sehr viel Spaß!